Grabstein Friedhof Bochum Werne, Inschrift Bleibt wach, die Stunde weiß keiner, für mich war sie da, betet.

Städtischer Friedhof Werne – Bochum

Eingang Friedhof Bochum Werne

 

Der städtische Friedhof Bochum Werne erinnert schon beim Betreten durch das Haupttor eher an ein Naherholungsgebiet als einen Friedhof. Auf den ersten Blick sind kaum Gräber auszumachen, stattdessen führen breite Kieswege in eine modern gestaltete und parkähnlich bepflanzte Grünanlage. Der Friedhof ist als Erholungsort konzipiert, tatsächlich sind auch erstaunlich viele Spaziergänge (entgegen der Friedhofsordnung auch mit Hunden) unterwegs. Am Eingang sitzt eine Gruppe älterer Herrschaften auf einer Bank und ist in eine Unterhaltung vertieft.

 

 

Dicht an dicht gedrängte Grabreihen sucht man hier vergebens, zusammenhängende Gräberfelder sind eher Inseln in der riesigen Parkanlage. Sie wirkt zeitgemäß und offen, weil sich die Grabstätten in eine bewusst moderne Gestaltung der Anlage einfügen und nicht zufällig aneinander gereiht sind.

 

 

Der Gesamteindruck des Friedhofs wird sehr von den sogenannten pflegefreien Rasengrabstätten geprägt. Diese verhältnismäßig neue Bestattungsart wird auf vielen Bochumer Friedhöfen angeboten und hat den optischen Eindruck der Friedhöfe enorm gewandelt. Statt nebeneinander liegenden klassischen Grabstätte, die von den Eigentümern gepflegt und bepflanzt werden, liegen die Särge unter einer Rasendecke, die von der Stadt gepflegt (gemäht) wird. Markiert sind die Gräber durch einen sogenannten Kissenstein, einen rechteckigen Grabstein dessen Gestaltung nur innerhalb der engen Grenzen der Friedhofssatzung möglich ist. Mehr als den Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen darf die Inschrift des Kissensteins nicht beinhalten und auch die Größe und Form des Steins sind vorgeschrieben. Zusätzlich darf individueller Grabschmuck nur auf dem Stein und nicht auf der Rasenfläche abgelegt werden und den Stein auch nicht überragen. Weil es mit diesem verhältnismäßig engen Regeln immer wieder zu (teilsweise pressebekannten) Konflikten mit den Eigentümern der Grabstätte kommt, hat die Stadt Hinweisschilder zur Benutzung der Rasengrabstätten in deren unmittelbarer Nähe aufgestellt. Hier zeigt sich eindrucksvoll, dass die Wahl der Bestattungsart gut überlegt sein sollte, weil individuelle Gestaltungsbedürfnisse sich ändern können.

Mich hat sehr überrascht, dass der einzige Vorteil dieser Bestattungsart im späteren geringeren Pflegeaufwand für die Grabstelle liegt. Die Gebühren für ein pflegefreies Rasengrab sind bei der Anlage des Grabens nämlich sogar höher, als die für eine übliche Reihengrabstätte. Auch die anonyme Bestattung in einem Rasengrab ohne Kennzeichnung stellt keine wirkliche Kostenersparnis dar. Wer sich für die Gebühren verschiedener Bestattungsarten interessiert, kann diese hier übersichtlich nachvollziehen.

 

 

Teilweise folgt man den Kieswegen eine ganze Weile, bis einem überhaupt wieder ein einzelnes Grab oder ein zusammenhängendes Gräberfeld begegnen. Einige Gräber sind regelrecht versteckt hinter Bäumen und Sträuchern oder am Wegesrand.

 

 

Weit entfernt vom Hauptweg liegt eine schattige Wiese mit besonderen Gräbern. Auch in Werne gilt, was sich ebenso in vielen anderen Friedhöfen verwirklicht: Die Gräber von Kindern liegen beieinander und etwas abseits der anderen Grabstätten. Sie sind oft bereits von weitem durch eine ungewöhnlich bunte und verspielte Dekoration der Gräber und Anlage der Grabsteine zu erkennen. So künstlerisch und liebevoll die Gräber auch gestaltet sind, spätestens der Blick auf die Lebensdaten der Grabinschriften lässt den Friedhofsbesucher bedrückt und mit einem beklommenen Gefühl zurück.

 

 

Ganz in der Nähe befindet sich dieser vielleicht ungewöhnlichste Grabstein des gesamten Friedhofs. Bildliche Darstellungen auf Grabsteinen sind keine Seltenheit, der Errichter dieser Grabstätte hat sich jedoch für ein überraschendes und ungewöhnliches Motiv entschieden, das sicher in besonderem Bezug zum Verstorbenen steht.

 

 

Künstlerische Details, besondere Schriftarten und ein gewisser Hang zum Minimalismus in der Grabbepflanzung finden sich auch auf dem Werner Friedhof, wenn man die Geduld hat das riesige Friedhöfsgelände aufmerksam danach abzusuchen.

 

 

Auf der dem Hauptweg abgewandten Seite in der Nähe des Haupteingangs findet sich schließlich das ungewöhnliche Grabmal dieser Familiengrabstätte. Während die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen sich auf einzelnen kleineren Steinen direkt auf dem Grab finden, informiert die Inschrift des Grabmals vor Kopf des Familiengrabes nicht über die dort Bestatteten, sondern gibt dem Betrachter eine Losung mit auf den Weg. “Bleibt wach” ist eine klassisch biblische Botschaft, ich konnte jedoch kein Bibelzitat für die gesamte Inschrift ausmachen.

 

Friedhof Bochum Werne Kolumbarium

 

Auf kommunalpolitische Initiative hin, erhielt der Friedhof in Bochum Werne 2016 wie bereits andere Bochumer Friedhöfe ein Kolumbarium. Es handelt sich dabei um einen aus Stein gefertigten Aufbewahrungsort für die Urnen Verstorbener. Die einzelnen Kammern sind mit einer Steinplatte verschlossen, auf denen Name und Lebensdaten des Verstorbenen Platz finden. Bislang ist allerdings nur ein Urnenplatz dort belegt.

 

Der Friedhof Bochum Werne ist ganztägig geöffnet. Der Haupteingang sowie die Trauerhalle befinden sich an der Adresse Im Kerkdahl 4, 44894 Bochum. Bestattungen sind als Reihengrabstätte, Familiengrabstätte, pflegefreie Rasengrabstätte, Urnengrabstätte sowie im Kolumbarium möglich.

 

 

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